Prof. Dr. Ursula Birsl
Prof. Dr. Ursula Birsl
Forschungsschwerpunkt (im Aufbau): „Demokratie in 'ungeschriebenen Verfassungen'“
In diesem Forschungsschwerpunkt geht es um die Organisationslogik und um Raumbezüge von Staatlichkeit, Politik und Demokratie (im Prozess internationaler Integration). Die Forschungen des Schwerpunktes sollen Anschlussstellen für disziplinäre, interdisziplinäre und internationale Kooperationen bieten. Zurzeit sind hierzu ein Projektverbund und eine Studie in Planung, die den Schwerpunkt konstituieren sollen:
Projektverbund
"Demokratie in 'ungeschriebenen Verfassungen' - ein europäisch-asiatischer Vergleich" (Democracy in "Unwritten Constitutions" - an European and Asian Comparison, geplanter Beginn: Winter 2012/2013):
Geplant als interdisziplinärer und internationaler Projektverbund.
Initiativgruppe: Prof. Dr. Ursula Birsl und Prof. Dr. Claudia Derichs, Anna Dörr, Dr. Daniela Marx (Philipps-Universität Marburg), PD Dr. Samuel Salzborn (Justus-Liebig-Universität Gießen), PD Dr. Claudia Wiesner (Finnish Centre of Excellence on Political Thought, University of Jyväskylä).
Ziel und Inhalt: Der geplante Paketantrag mit seinem Forschungsprogramm ist der interdisziplinären Demokratie- und Autokratieforschung zuzuordnen. Ausgangspunkt sind die in den Sozialwissenschaften diagnostizierten Deformations- und Erosionsprozesse in europäischen Demokratien sowie autokratische Stabilisierungstendenzen in Ländern der dritten Demokratisierungswelle im asiatischen Raum. Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen die ungeschriebenen Verfassungen von elektoralen Demokratien in Ländern Europas und Asiens im Vergleich. Gefragt wird nach dem Deutungs- und Handlungsrahmen der Gesellschaften im politischen Raum und welche Akteure sich in diesem bewegen. In den Regeln des Ungeschriebenen einer Demokratie zeigen sich Konfliktstrukturen, formelle versus informelle Institutionenbildungen ebenso wie Macht- und Gewaltverhältnisse oder Prozeduren zur Konfliktbewältigung und demokratische (Gegen-)Bewegungen. Im interregionalen Vergleich sollen mögliche interdependente Entwicklungspfade von Demokratien analysiert und erkenntnistheoretisch an die relationale Moderne rückgekoppelt werden.
Förderung geplant durch die DFG.
Anschubfinanzierung durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Förderung im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen" sowie mit Unterstützung aus dem Forschungsförderfond der Philipps-Universität Marburg.
Studie
Bürgerschaft und Demokratie in der Migrationsgesellschaft (geplanter Beginn Sommer/Herbst 2012):
Gemeinsames Projekt mit Prof. Dr. Bettina Westle (Philipps-Universität Marburg)
Ziel und Inhalt: Die Studie bewegt sich in zwei Dimensionen: die der Sozialintegration (soziale Chancenstrukturen) und der der politischen Systemintegration (Zugang zum intermediären System und zu politischen Bürgerrechten). Im theoretischen Zugriff wird das Bürgerschaftskonzept in Anlehnung an Thomas H. Marshall herangezogen, das in eigener Forschung als Analyseraster weiterentwickelt wurde. Es wird untersucht, ob die Sozialintegration und damit die sozialen Chancenstrukturen in der bundesdeutschen Migrationsgesellschaft sich nicht vorrangig entlang der Zuschreibung zu „Gruppen mit Migrationshintergrund“ oder „Gruppen ohne Migrations-hintergrund“ ausdifferenzieren, sondern nach Lebenslagen und Geschlecht. Auch bei der politischen Systemintegration sind Lebenslagen und Geschlecht entscheidend für den Zugang zur konventionellen Politik und für die Wahrnehmung demokratischer Bürgerrechte. Hier spielt jedoch gleichzeitig die Staatszugehörigkeit und damit die Frage nach dem Migrationshintergrund eine zentrale Rolle bei der ungleichen Verteilung politischer Teilhabechancen. Sozial- und politische Systemintegration verlaufen – so die zentrale These – nach unterschiedlichen Modi, so dass vorrangig die Integration in das politische System defizitär ist. Durch den Vergleich mit anderen europäischen und mit den nordamerikanischen Einwanderungsländern soll überprüft werden, ob diese Integrationsproblematik ein besonderes Kennzeichen der deutschen Migrationsgesellschaft ist.
Förderung geplant durch die DFG.